2025-02 Sage nicht, sie sind zu jung

Sage nicht „sie sind zu jung“

110 Delegierte aus ganz Westfalen geben dem Jugendverband eine neue Struktur

Wuppertal – Wie stellen wir uns eigentlich so klassische Gestalten aus der Bibel vor?  Propheten zum Beispiel wie Jesaja, Jeremia oder Elia?

Also ich denke da immer an so alte Männer mit langem Bart, langem Stock und langen Gewändern aus Jutebeuteln, so dicken Augenbrauen und großen Ohren, wie mein Opa sie hatte. Aber stimmt das auch?

Nö, stimmt nicht. Jeremia zum Beispiel war gerade mal 20, als Gott ihn zum Propheten ernannt hat. „Aber ich bin doch viel zu jung“, hat Jeremia vergeblich versucht sich zu wehren. „Sage nicht, du bist zu jung“, erwiderte sein Schöpfer (Jeremia 1,7) und schon war die Sache geklärt.

Ganz schön mutig von Jeremia, Gott zu widersprechen und sich dem Auftrag zu stellen. Und ganz schön mutig von Gott, einem solchen Dötz die Aufgabe zu überlassen, einem ganzen Volk die Leviten zu lesen.

Versammlung der Evangelischen Jugend neu konstituiert

„Sage nicht, ich bin zu jung“ – so könnte der Titel eines Prozesses lauten, der gerade die Strukturen der Evangelischen Jugend durchwirbelt. Zukünftig sollen alle Gremien der Jugendarbeit in unserer Kirche zu 2/3 Stimm-Mehrheit mit Ehrenamtlichen unter 27 Jahren besetzt sein. Diese Gremien dürfen über alle inhaltlichen und finanziellen Fragen des Jugendverbandes eigenständig entscheiden. Das betrifft die Ebenen der Landeskirche, des Kirchenkreises und der Gemeinden.

Den Anfang machte Ende März die Versammlung der Evangelischen Jugend von Westfalen. Rund 110 Delegierte aus Kirchenkreisen, Werken und Verbänden kamen in Wuppertal zusammen und setzten ein mutiges Zeichen für Beteiligung, Wandel und Aufbruch. Auf ihrer konstituierenden Sitzung gab sich die „Vollversammlung“ eine neue Geschäftsordnung und wählte Sprecher:innen, den Leitungskreis und ein neues Mitglied für die Landessynode: Jan Reschke, ehemaliger Mitarbeiter aus Wattenscheid-Höntrop. Aus unserem Kirchenkreis war unter anderem Lena Blankenburg (22) aus der Apostelgemeinde dabei. „Man hat richtig gespürt, was für ein mega Aufbruch das für die Evangelische Jugend ist“, so ihr Eindruck.

Jugendliche sind schon jetzt in allen Presbyterien dabei

Grundlage dafür ist das Kinder- und Jugendvertretungsgesetz (KJVG), das am 01.01.2025 in Kraft trat und das Ziel hat, mehr Partizipation, mehr Eigenverantwortung, mehr Stimme für junge Menschen zu ermöglichen. Nach und nach sollen auch die Jugendausschüsse in den Gemeinden und Kirchenkreisen zu Zwei-Drittel Stimm-Mehrheit mit jungen Menschen zwischen 14 und 26 Jahren besetzt werden.

 

Ob das wohl funktioniert? Das Vertrauen in unserem Kirchenkreis ist groß. Schon jetzt beteiligen sich in allen Presbyterien Menschen unter 27 Jahren, weil sie zusätzlich über das sogenannte Jugendbeteiligungserprobungsgesetz berufen worden sind. Auch in unserer Kreissynode und im Kreissynodalvorstand (KSV) wurden junge Menschen berufen und arbeiten zuverlässig mit.    

In der Evangelischen Jugend gibt es viele engagierte Menschen, auch viele, die älter sind. Sie sind weiterhin wichtig. Aber wir finden es gut, dass es nun Vorgabe ist, dass junge Leute über ihre Anliegen eigenständig entscheiden. Es gibt so viele, die anfangs zögerlich sind und dann Großartiges leisten, wie Jeremia. Und wenn Gott schon Vertrauen in einen jungen Menschen hat, können wir das auch. Also: sage nicht: „sie sind zu jung“. HD